Adelaide. I Can Make You German.

Was macht ein Deutscher, wenn er einen anderen Deutschen im Ausland trifft? Er startet einen Wettbewerb, moeglichst nicht als Deutsch aufzufallen. Und was macht ein Australier, wenn er einem Australier begegnet? Er freut sich, laedt ihn zum Bier ein und beginnt ueber die Queen zu laestern.

Paco Erhard macht Stand-Up Comedy. I can make you German heisst sein Programm, und es ist ausgezeichnet beim Edinburgh Comedy Festival. Paco zeigt, wie die Deutschen ticken: Ueberwiegend anders, als der Rest der Welt. Das Problem: Niemand da draussen mag die Deutschen. Das noch groessere Problem: Dieses Selbstbild haelt sich so hartnaeckig, wie es falsch ist. Vor allem unter Deutschen. Die Welt mag die Deutschen – sie wissen es nur nicht. Und das liegt unter anderem daran, dass sie nicht wissen, wer sie sind – oder sein wollen.

Paco fragt das Publikum, wer schon einmal mit einem „echten Deutschen“ gesprochen hat und macht ein paar Nazi -Anspielungen. Dies ist der weltweit bekannte Teil der deutschen Identitaet und so funktionieren diese Pointen und werden mit Lachern und Applaus belohnt.

Aber Paco hat mehr zu bieten. Dies hier ist zum Warmmachen. Er bohrt tiefer. Ziemlich schonungslos nistet er sich da in die deutsche Seele ein. Ich frage ihn, warum die ganze Welt Deutschland mit der Inkonographie von Bayern gleichsetzt. Paco meint, Deutschland sei vielfaeltig, zuviel fuer ein gerechtes singulaeres Bild in der Welt. Die deutsche Subkultur, die am meisten ins Auge faellt, sei nun mal die Lederhose, der Bierkrug und die Brezn. Die Besatzung Amerikas habe sicherlich eine Rolle gespielt, vermutet er, Hollywood habe dieses Image in die Welt transportiert.

Wer reist, und einmal genauer hinschaut, bemerkt, wie gut die Beobachtungen von Paco Erhard sind. Gerade heute unterhaelt sich ein Deutscher hartnaeckig im Hotel mit mir auf Englisch, was natuerlich Unsinn ist, ihm aber das gute Gefuehl gibt, weniger Deutsch zu sein als die Anderen. Ich frage ihn, was er von der Queen haelt.

Deutsche halten sich lieber an Regeln, die andere festlegen, als dem Gefuehl nachzugeben. Paco Erhard hat ein wunderbares Beispiel: Die deutschen Autobahn. Freie Bahn, ploetzlich – ohne erkennbaren Grund – erscheint auf der linken Spur ein Flaeche mit Linien, die dem Kraftfahrer ein Einfaedeln in die rechte Spur nahelegen. Wie der deutsche Autofahrer dann ohne zu zoegern verfahert und worin sich das von australischen Autofahrern unterscheidet demonstriert Paco eindrucksvoll.

Auch deutsches Einparkverhalten erstaunt die Welt: Nach einem Aufritt in Kiel, mitten in der Nacht. Suche nach dem Parkplatz. Alles voll. Verdammt! Doch da, in einer kleinen Seiten-Strasse, sind zwei freie Flaechen zu erkennen. Allerdings steht ein Schild davor. Auf dem steht: Parken nur fuer Kindergarten. Paco denkt: „Es ist Nacht, Wochenende, der Kindergarten ist nicht in Betrieb, niemand wird heute mehr kontrollieren. Warum nicht das Auto hier abstellen?“ Doch ein guter Deutscher denkt anders…

Die geordnete Planung von Protesten zum 1. Mai, deutsche Effzienz und wie Deutsche lernen koennen, das Leben zu geniessen und nicht nur zu Leben um zu arbeiten sind Themen seines Programms.

Und dann gibt es etwas, was die Welt tatsechlich sofort von uns lernen kann und wofuer wir gemocht werden und Paco zeigt den Australiern, wie man ein richtiger Deutscher wird. Das Oeffnen einer Bierflasche mit einer anderen Flasche! Nicht ist deutscher als dies. Nur bloed, dass es in Australien Twist Tops gibt! Drehverschluesse.

14. März 2012

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