Paris.
Wieder reisen wollen.

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Plötzlich wollte ich nicht mehr aufbrechen, bis mir wieder einfiel, warum ich noch einmal die brennende Unvernunft kosten, losziehen und wieder reisen wollte. Wenige Wochen zuvor schrieb ich auf die erste Seite meines Tagebuchs: 2014, leicht sein, reich und dem Festland Stimmen schenken. Ich wusste, warum ich es festhielt. Weil ich sonst nicht erinnern würde, wovon ich träumte. Wie es einmal war, wie wir alles eroberten, mit unserem Glück. Weil mir dieser Augenblick nur allzu vertraut war: Nun, da ich in eine verlassene Wohnung blickte, die Tür ins Schloss ziehen und alles hinter mir lassen sollte, alles, von dem einer zu denken pflegt, es sei bedeutend, da verschwamm es schlagartig, packte mich eine Prise Angst und die Freuden der Bequemlichkeit gröber, als das, was eine Ahnung bleiben, was kommen, was mich leicht und reich machen würde.

Woher wissen, ob man nochmals die Schätze der Erde geschenkt bekäme? Wem begegnen? Mit wem lachen? Mit wem um Atem ringen – oder warum? Und da war der Gedanke an Heimkehr, zu wissen, dass alles enden wird, nur nicht wie. Schon jetzt, wo jede Sekunde ein Ankämpfen gegen die Endlichkeit dieser Reise war. Das Glück: Man muss nur eine Zehenspitze in die andere Seite des Ufers rammen, wo Neugier und Mut Sieger sind, dann ist es einfach, kann man leicht sein und reich. Weniger ignorant und jeden Tag lernen. So schön kann die Welt es mit einem meinen, einen die Dankbarkeit ergreifen, noch wie man dort im Flur steht, die Tür noch einen Spalt weit geöffnet, Sonnestrahlen hindurchdringend, zwischen dem Hier und fremden Jetzt wartend.

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Das erste Warten dieser Reise, ein Zögern, das in den kommenden Monaten verblassen wird, umschlagen in eine zupackende Neugier, eine Neugier, die loslassen kann, statt nur noch zu sehen, was wir erwarten. Das Glück der Weite aufsaugen, die Liebesmöglichkeiten von der Strasse auflesen, immer das Wichtigste erinnern: den Erwartungen zu trotzen, obwohl sie doch wärmen können. Nichts anstreben, wohl alles aufschreiben, was kommt und Stimmen schenken.

Als der Zug losfährt, heuer ich als Rastloser an, einer jener, der pendelt zwischen Heimweh und Wanderlust. Es ist Abend und der Zug rollt Richtung Paris, wo sie ein unsichtbares Netz spannen, das sie Liebe nennen. Nachts an einem fremden Ort eintreffen, ist wie der Besuch einer Table-Dance-Bar, noch vor dem Ausblenden des letzten Tanzes, am Ausgang der Nacht, wenn man sich längst hingezogen fühlt oder nicht. Wieder reisen wollen, ja, denke ich, und die Pariser Winterluft weht mir die Worte von Theodore Roethke tief in den Kopf hinein: „What shakes the eye but the invisible?“ Wieder reisen wollen. Unterwegs sein. Wieder.

9. März 2014

3 responses to Paris.
Wieder reisen wollen.

  1. Mah said:

    uhm. Kann man Fernweh gleichzeitig lieben und hassen? 🙁

  2. Pingback: Markus Steiner: Reisen, um vom Leben zu erzählen | Mutmacher-Magazin

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